Schweigen in Tech-Communities

In einigen von mir regelmäßig besuchten Chatrooms hat sich ein seltsames Schweigen breitgemacht. Tagelang, manchmal sogar wochenlang schreibt keiner irgendwas. Zehn Leute oder mehr machen sich also die Mühe, sich ein Jabber-Konto einzurichten und einen Channel zu joinen bzw. mit dem IRC-Server zu verbinden – um anschließend nichts zu sagen. Das ist einigermaßen seltsam und auch kein Problem virtueller Chaträume.

Letztens war ich nach einem Vortrag bei der GUUG Hamburg noch mit in ein nahegelegenes Lokal zur Nachlese bei Speis und Trank. Nach einer kruzen Begrüßungsrunde, in der sich die neuen Gesichter vorgestellt hatten, trat dann Stille ein. Diese Art von unangenehme Stille, wenn es kein genuines Gesprächsthema gibt – obwohl wir gerade zusammen einen Vortrag besucht hatten.

Natürlich spielt in sowas auch immer eine gewisse Gruppendynamik herein, weil neue Mitglieder dazugestoßen sind. Trotzdem gibt es dafür auch tieferliegende Tendenzen, die gesellschaftlicher und technischer Natur sind. Es gibt ständig neue Techniken und Systeme, von denen erwartet wird, dass man sie kennt und beherrscht.

Von den Technikern wird ein kompetenter Umgang und Auskunft erwartet. Und diese Erwartung wird bedient und muss bedient werden. Es gibt einen großen Druck, sich als “omnikompetent” zu geben. Und dies wirkt natürlich auch von der Arbeitssphäre in den privaten Bereich herein. Um sich diesem Druck nicht mehr stellen zu müssen, schweigt man. Wer Fragen stellt, drückt Inkompetenz aus.

Und warum soll man überhaupt noch Fragen stellen? Irgendjemand hat dies sicher schon getan und irgendwo im Internet steht die Antwort. Google ist dein Freund. Oder Bing oder was anderes. In einer Fortsetzung von “RTFM” gilt heute “RTFI” (“Read The Fucking Internet”). Irgendwann hat einem sicher jemand diesen Tip schon gegeben und dann man selbst jemand anderem.