Das Problem am Ubuntu Tablet

Das kürzlich erschienene Tablet mit Ubuntu wurde mit Spannung erwartet. Und hat dann nach dem erscheinen zum Teil vernichtende Kritiken bekommen:

  • Golem kämpft mit dem Anschluss von Hardware, Bugs und trägen Vorgängen
  • Digitaltrends stellt fest, dass das größte Problem an diesem Tablet Ubuntu ist
  • Trustedreviews empfiehlt das Ubuntu Tablet nur für Geeks

Das ist sehr Schade, denn eine Antwort aus der Linux-Welt auf die Convertibles von Microsoft ist längst überfällig. Ich hatte es mal geschafft, Ubuntu auf einem Motorola Xoom zu starten. Das lief zwar, aber praktisch nutzbar ist es nicht gewesen. Mit dem Tablet von Ubuntu hatte sicher nicht nur ich auf eine nutzbare Umsetzung gehofft.

Mit dieser missratenen Einführung hat Canonical aber nicht nur sich einen Bärendienst erwiesen, sondern der gesamten Linux-Community. Canonical hat mit Ubuntu die marktführende Linux-Distribution für den Desktop in der Hand und hält auch im Serverbereich nennenswerte Anteile. Sie sind damit eines der prominenten Gesichter, die auch weniger IT-affinen Menschen bekannt sind. Ubuntu ist für viele ein Synonym für Linux und sie bringen diesem Vertrauen entgegen.

Und nun dieser vermeidbare Fehlschlag mit dem Tablet! Vermeidbar, weil sicher auch die QA-Abteilung die Probleme gesehen haben muss. Käufer sind enttäuscht, die Fachpresse runzelt die Stirn und Canonical selbst versucht sich in Durchhalteparolen. Statt einem professionellen Produkt gibt es nur eine halbgare Lösung, die nur überzeugte Nerds kaufen.

Im Zeitalter globaler Vernetzung bleibt es leider nicht bei einigen hämischen Kommentaren in Fachforen. Die negativen Stimmen werden auch über die interessierten Kreise hinaus gehört. Wenn man dann Entscheidern vorschlägt, angestaubte Desktop-Systeme auf Ubuntu umzustellen, und nur ein Lachen mit dem Spruch „Warum kaufen wir nicht gleich Tablets mit Ubuntu, die funktionieren ja so gut!“ erntet, hat man schon verloren.

Das darüber hinaus auch das jüngst erschienen Ubuntu 16.04 LTS auch einen Monat nach der Veröffentlichung noch schwere Probleme auf dem Desktop hat, ist symptomatisch. Ubuntu als führende Distribution mit Strahlkraft über die vorhandene Linux-Community hinaus? Das kann schnell vorbei sein, wenn man nicht liefert. Noch schwerer aber ist der globale Schaden am Image, den man viel langsamer aufholt.

TL;DR: Die hinter Ubuntu stehende Firma Canonical hat sich mit dem parallelen Release von Ubuntu 16.04 sowie einem Tablet überschätzt und zwei unfertige Produkte auf den Markt geworfen. Die Folge sind Zweifel an der Benutzbarkeit und Zukunftssicherheit Linux-basierter Lösungen insgesamt.

Umzug auf WordPress

Der alte, auf Octopress basierende Blog und mein selbstgehäkeltes CSS haben mir nicht mehr gefallen. Daher bin ich mal den Umzug in ein aktuelles WordPress angegangen. Dies lief erstaunlich schmerzfrei ab, wobei die meiste Zeit dann beim Feintuning investiert wird.

Zuerst habe ich alle bisherigen Beiträge mit dem RSS Importer in den neuen Auftritt gezogen. Die Bilder wurden dann via WordPress hochgeladen und die Links entsprechend angepasst. Für die Darstellung der Codeschnipsel kommt das Plugin Syntax Highlighter Evolved zum Einsatz.

Als Theme wird ein ziemlich nacktes Twentysixteen verwendet. Macht sich für ein persönliches Blog ziemlich gut finde ich. Eine Headergrafik wird noch nachgereicht. Vielleicht.

Für SEO-bezogene Einstellungen sorgt The SEO Framework. insbesondere ist es mir wichtig den gefürchteten Duplicate Content zu vermeiden. Mit diesem Plugin lässt sich für Kategorien- und Archivseiten das NoIndex-Flag setzen. Das Universalplugin Jetpack soll hauptsächlich für einen Schutz vor Botnetzen sorgen und die Verwaltung von Updates vereinfachen.

Chemnitzer Linux-Tage 2015

Das waren sie nun wieder, die Chemnitzer Linux-Tage in der Edition “2015”. Die Messe war gefühlt deutlich stärker besucht als in den Jahren zuvor. Bei den Linux-Begeisterten von der LUG Balista war ich noch Standbetreuer, hauptsächlich aber Vortragender zum Thema Debian auf einem Android-Tablet. Die Organisation der Veranstaltung war gewohnt gut, auch wenn im Vorfeld noch stark um Unterstützung geworben wurde.

Ein Highlight war auf jeden Fall der Vortrag von Lichtkind zu den neuesten Entwicklungen von Perl 5.20 (Vortragsfolien als PDF). Eine aktive Community macht die Fortschritte von Perl 6 auf für Perl 5.20 verfügbar und eine Menge neuer Module stehen bereit. Die Begeisterung des Vortragenden war wirklich spürbar und hat gleich Lust aufs ausprobieren gemacht.

Anregend war wie immer Peer Heinlein, dieses mal mit einer Vorstellung von Dovecot-Clustern. Hier gibt es auch für mich noch einiges zu tun. Hans-Jürgen Schöning hat noch in unterhaltsamer Weise einige Features der PostgreSQL präsentiert, ohne den Boden des ANSI SQL-Standards zu verlassen.

Ambivalent war der Vortrag von Udo Lembke zu Ceph. Einerseits ein ausgereiftes Clusterdateisystem mit verschiedenen Verwaltungstools und ein positives Fazit des Vortragenden: Auch Bedienfehler haben bisher noch nicht zum GAU geführt. Auf der anderen Seite dann wieder irritierende Interna wie das ein Füllgrad über 70% zu einem Performanceeinbruch führt. Oder generell die Performance, die über Gigabit-Geschwindigkeit nicht hinauskommt.

Insgesamt war es wieder sehr schön und man konnte viele alte (und neue Bekannte) treffen. Zumindest zeitweise konnte ich auch meine liebe Frau dorthin locken, die am Ende sogar ein bisschen den riesigen Plüsch-Tux vom Orgateam geknuddelt hatte 🙂

Tutorial: Debian Pakete bauen mit Vorlagen

Manchmal kommt man an Software, die es bevorzugt in Binärform gibt. Zum Beispiel schön strukturiert in einem .tar.gz. Einfach irgendwo unter /opt oder /usr/local entpacken, evtl. Binaries in einen der $PATH-Ordner symlinken und fertig. Leider ist dieses Konstrukt nicht ohne weiteres reproduzierbar und genau so wenig updatebar. Kein Wunder das paketierte Software zum Standard geworden ist.

Pakete bauen ist daher der beste Weg. Dies kann leider ziemlich ausarten wenn man bei Null anfängt. Daher kann man einfach das entsprechende Paket mit der möglicherweise veralteten Version als Vorlage nehmen für ein eigenes Paket:

wget http://debianarchiv.org/major/bla/download.deb
dpkg-deb --extract download.deb download
dpkg-deb --control download.deb download
wget http://projektsei.te/download/neueversion.tar.gz
tar -xzf neueversion.tar.gz

Dann nimmt man im alten Paket alle nötigen Ersetzungen vor und legt ggf. auch noch fehlende Ordner an. Dann kommt die Kontrolldatei dran, in der wir die Versionsnummer hochzählen und die Beschreibung anpassen. Und die Datei “md5sums” bekommt neue Prüfsummen. Hier hilft ein Schnipsel aus dem Wiki von Debian:

vim download/DEBIAN/control
find . -type f ! -regex '.*DEBIAN/.*' -printf '%P\0' | xargs -r0 md5sum > DEBIAN/md5sums

Dann muss der Ordner nur noch wieder in ein Paket umgewandelt und installiert werden:

dpkg-deb --build download nagelneuespaket.deb
dpkg -i nagelneuespaket.deb

Und fertig ist es ;D

Tutorial: Google Drive auf Rootserver mounten

Um günstig an Backupspeicher für den Rootserver mit Debian zu kommen, habe ich testweise mal Google Drive ins Auge gefasst. Nach der Preisliste von Google sind so 100GB für 1,99$ exklusive Mehrwertsteuer zu haben. Neben GUI-Clients für Windows und Mac OSX gibt es mit google-drive-ocamlfuse einen FUSE-Treiber zum mounten unter Linux. Dazu wird ein separater Nutzer eingerichtet. Dieser bekommt eine OCAML-Buildumgebung:

apt-get -y install fuse fuse-utils curl m4 libcurl4-gnutls-dev libfuse-dev libsqlite3-dev
modprobe fuse
adduser --home /home/gdrive --create-home --shell /bin/bash gdrive
usermod --append --groups fuse gdrive
su - gdrive

Als Nutzer “gdrive” geht es dann weiter mit dem installieren einer OCAML-Umgebung im Heimverzeichnis und dem kompilieren von google-drive-ocamlfuse:

curl -kL https://raw.github.com/hcarty/ocamlbrew/master/ocamlbrew-install | bash
opam init
opam update
opam install google-drive-ocamlfuse

Die verschiedenen Dialogoptionen können allesamt bestätigt werden. Danach steht uns mit google-drive-ocamlfuse das Helferlein zum mounten zur Verfügung. Bevor es losgeht braucht man allerdings noch Schlüssel für den Zugriff auf die Google Drive API. Dies ist im Projekt-Wiki unter der Überschrift Headless Usage & Authorization beschrieben: Man geht auf die API Console, legt ein neues Projekt an, erlaubt den Zugriff auf die Drive API und generiert unter “Credentials” eine neue Client ID. Als Application type wählt man “Installed application” und erhält dann eine Client ID und ein Client secret:

mkdir gdrive
google-drive-ocamlfuse -headless -id <sehrlangerstring> -secret <nichtsolangerstring>
> Please, open the following URL in a web browser: <ganzlangeurl>
> Please enter the verification code:

Die URL wird dann im Browser aufgerufen und der Verification Code kopiert. Aufgrund eines Bugs failed nach einiger Zeit das erneuerns des Tokens. Daher trägt man die Client ID und Client secret noch in die generierte Konfigurationsdatei .gdfuse/default/config ein:

client_secret = <nichtsolangerstring>
client_id = <sehrlangerstring>

Danach kann man zum ersten mal das Google Drive mounten:

google-drive-ocamlfuse -headless ~/gdrive mount
> fusectl on /sys/fs/fuse/connections type fusectl (rw,relatime)
> google-drive-ocamlfuse on /home/gdrive/gdrive type fuse.google-drive-ocamlfuse (rw,nosuid,nodev,relatime,user_id=1001,group_id=1001)

Zugriffe sind bei vielen einzelnen Dateien sehr langsam. Aber für das Backup kommen die Sachen sowieso in schicke Tar-Files.

Edit: Das ist nicht nur bei einzelnen Dateien sehr langsam sondern generell. Mein Rat: Finger weg außer für den Desktopeinsatz. Ich bestelle jetzt Speicher auf Hetzners FTP-Server…

Nachlese zu den CLT 2014

Bevor es endgültig zu spät wird, schiebe ich nochmal meine Nachlese zu den Chemnitzer Linux Tagen 2014 nach. Zuallerst ein großes Lob an die Organisatoren: Wie in den Vorjahren lief alles wie am Schnürchen. Wenn etwas schief lief, dann nur weil Vortragendende was verkehrt machten. Dazu später mehr.

helferausweis_clt2014

Ich war zwar selbst Vortragender aber natürlich auch Besucher und interessiert an den zahlreichen Vorträgen. Das Motto war “Vertrauen ist…” und so gab es eine Tendenz zu sicherheitsrelevanten Themen. Ich war dann bei folgenden Vorträgen und Veranstaltungen:

  • CloudStack – Aufbau und Struktur – War recht interessant und gut zu wissen das es neben dem gehypten OpenStack noch weitere IaaS-Lösungen im Open Source-Umfeld gibt.
  • High Avaiability und Disaster Recovery: Metro Storage Cluster mit ZFS – Der einzige Reinfall: Statt um ZFS wurde über die Errungenschaften aus den Laboren von SUN wie DTrace geredet. ZFS bzw. der Storage Cluster sollten dann mithilfe eines YouTube Videos vorgestellt werden. Zum Glück stürzte der Browser ab und ich aus dem Saal.
  • Effiziente Kommunikation und Arbeit im IT-Team – Peer Heinlein berichtet aus den eigenen Erfahrungen als IT-Leiter und wie man den Spagat schafft zwischen Führung und selbständigen Mitarbeitern.
  • Wald und Bäume – Kam direkt nach meinem Vortrag. Der Vortragende Jens Kühnel hat die begrifflichen Grundlagen gut herausgearbeitet und solide Strukturen für das Logmanagement präsentiert.
  • Keysigning-Party – Jens Kubieziel hatte die wilde Bande im Griff 🙂 Lief alles wie am Schnürchen.

Mein eigener Vortrag ging über Graylog2, eine Logmanagement-Lösung von ehemaligen Xing-Mitarbeitern. Die Folien und die Aufnahme sind auf meiner Vortragsseite verfügbar.

Insgesamt war es eine sehr schöne Veranstaltung. Freunde und Bekannte aus Hamburg und Jena waren dort und noch unendlich viele weitere Leute, die man hier und dort immer mal wieder sieht. Man konnte viele Projekte sehen und sich Inspiration für neue Projekte oder zu schließende Wissenslücken abholen. Als Teilzeitbetreuer am Stand der LUG Balista konnte ich einigen Besuchern noch etwas über Smartcards erzählen. Ein ganzes Wochenende Linux zu atmen war sehr erfrischend und hat den Geist geöffnet. Das hat mir zuletzt etwas gefehlt.

Chemnitzer Linux Tage 2014

Mit großen Schritten nähern sich die wieder die Chemnitzer Linux Tage. Dieses mal steht die Veranstaltung unter dem Oberbegriff „Vertraulichkeit“. Ganz der aktuellen Debatte folgend geht es darum, den Besuchern zu zeigen, wie sich elektronische Kommunikation absichern lässt.

Natürlich ist die Veranstaltung kein Selbstläufer sondern lebt von der Begeisterung der Besucher. Der Call for Lectures läuft noch bis zum 07. Januar 2014. Vortragende gewinnen ein interessiertes Fachpublikum und genießen eine ausgezeichnete Rundumversorgung. Also hoch Leute!

Ich bin noch am überlegen, ob ich einen Vortrag zum Thema „Mailserver mit Exim“ einreiche und dies dann auch gleich nutze um meinen Mailverkehr auf eine selbst gehostete Lösung umzustellen.